DrachenErwachenEngelwolf®-Schamanismus

Grundlage

Woher wir das haben

Der Drache ist ein Bild. Dahinter steht ein Gedanke, der älter ist.

Man kann DrachenErwachen als schönes Ritual betreiben. Dann bleibt es ein Wochenende mit starken Bildern. Wer wissen will, warum dabei etwas geschieht, kommt an einem Mann nicht vorbei, den Andreas Krüger ausdrücklich als Quelle dieses Formats nennt.

Wilhelm Reich

Geboren 1897, gestorben 1957. Psychiater und Psychoanalytiker, promoviert 1922, danach am Wiener Psychoanalytischen Ambulatorium, ab 1924 Leiter des Seminars für psychoanalytische Therapie. Einer der begabtesten Schüler seiner Generation.

1934 wurde er aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen — ohne sachliche Auseinandersetzung. 1933 floh er vor den Nationalsozialisten nach Skandinavien, 1939 in die Vereinigten Staaten.

Der Panzer

Reichs erste große Einsicht war die, die bis heute trägt: Abwehr sitzt nicht nur im Gedanken. Sie sitzt im Leib.

Er nannte es zuerst Charakterpanzer — die feste Haltung, mit der ein Mensch sich vor dem schützt, was er einmal nicht aushalten konnte. Und dann, genauer, Muskelpanzer: dieselbe Abwehr als körperliche Spannung. Als Kiefer, der nicht loslassen kann. Als Zwerchfell, das flach atmet. Als Becken, das nicht mitgeht.

Was ein Mensch nicht fühlen darf, hält er fest. Und was er lange genug festhält, spürt er irgendwann nicht mehr als Halten, sondern nur noch als sich selbst.

Das ist die Brücke zwischen Seele und Leib, und sie ist der Grund, warum bei uns getanzt, geatmet und im Wasser gearbeitet wird statt nur geredet. Man kann einen Panzer nicht wegdenken.

Und genau das ist der Drache in Ketten

Was die schamanische Sprache den weggeschlossenen Drachen nennt, nennt Reich den Panzer. Es ist derselbe Befund in zwei Sprachen: Da ist eine Kraft, sie gehört dir, und du hältst sie mit erheblichem Aufwand unten — aus Gründen, die einmal gute Gründe waren.

Warum das Außen zurückschlägt

Reichs zweite Einsicht ist die unbequemere. In der Massenpsychologie des Faschismus (1933) und später im Christusmord beschreibt er, was mit Menschen geschieht, die sich lösen: Sie werden nicht in erster Linie von den Mächtigen angegriffen. Sie werden von denen angegriffen, die noch in ihrem eigenen Käfig sitzen.

Wer den eigenen Panzer hält, erträgt den Anblick eines Ungepanzerten schwer. Lebendigkeit bei einem anderen erinnert an die eigene, weggelegte. Das tut weh, und der Schmerz kommt als Spöttelei zurück, als Rückzug, als Verachtung.

Das ist keine Nebenbemerkung, sondern der Grund für den Aufbau unserer Arbeit. Wer in einem Kreis etwas weckt und die Menschen am Sonntagabend nach Hause schickt, schickt sie genau da hinein. Deshalb dauert das Seminar länger, als das Wecken bräuchte. Deshalb gibt es eine Stufe, die nur vom Halten handelt. Deshalb gibt es einen Kreis, der weiterläuft, wenn alle wieder zu Hause sind.

Das Orgon — das offene Kapitel

Ab den dreißiger Jahren ging Reich einen Schritt weiter. Er nahm an, dass hinter dem, was sich löst und strömt, eine eigenständige Lebensenergie steht, und er wollte sie physikalisch fassen. Er nannte sie Orgon und baute Apparate, um sie zu sammeln.

Das ist der Punkt, an dem sich die Wege trennen. Albert Einstein prüfte 1941 einen von Reichs Versuchsaufbauten und kam zu keiner Bestätigung. Eine unabhängige Bestätigung ist seither nicht erfolgt. In der Wissenschaft gilt die Orgonlehre heute als nicht belegt.

Was danach kam, gehört zu den hässlicheren Kapiteln der amerikanischen Rechtsgeschichte. Eine Verfügung untersagte den Vertrieb der Geräte. Reich hielt sich nicht daran und wurde wegen Missachtung des Gerichts verurteilt. 1956 und 1957 ließ die Behörde seine Bücher verbrennen — nicht nur die Apparate, die Bücher. Tonnen davon. Reich starb 1957 im Hochsicherheitsgefängnis Lewisburg, kurz vor der Entscheidung über seine Entlassung.

Man muss die Orgonlehre nicht für bewiesen halten, um zu sehen, dass hier keine wissenschaftliche Auseinandersetzung stattgefunden hat. Und man muss verstehen, was so ein Vorgang über Jahrzehnte anrichtet: Er entscheidet keine Frage. Er beendet nur, dass sie gestellt wird.

Was aus der Linie wurde

Reichs frühe Arbeit ist nicht mit ihm untergegangen. Sie lebt in der Körperpsychotherapie weiter — bei Alexander Lowen, der daraus die Bioenergetik entwickelte, und bei David Boadella mit der Biosynthese. Beide behielten den Panzer und ließen die Energiephysik zurück.

Weitergetragen und einem größeren Publikum zugänglich gemacht hat Reichs Denken im deutschsprachigen Raum vor allem Bernd Senf, Volkswirt und langjähriger Professor in Berlin, der 1979 die Wilhelm-Reich-Initiative gründete und mehrere Einführungen dazu schrieb.


Was wir daraus nehmen

Wir arbeiten mit dem, was Reich zuerst beschrieben hat: dass Lebendigkeit sich halten lässt, dass das etwas kostet, und dass sie zurückkommen kann. Das ist der ganze Kern.

Ob dabei eine messbare Energie fließt, ist eine Frage, die wir nicht beantworten können und die wir uns für unsere Arbeit auch nicht anmaßen zu beantworten. Was Menschen bei uns erleben, erleben sie. Wie es zu nennen ist, ist die kleinere Frage.

Was wir nicht tun: Wir behandeln keine Krankheiten, wir stellen keine Diagnosen und wir versprechen keine Heilung. Unsere Arbeit ist eine spirituelle und persönlichkeitsbildende, und sie tritt neben das, was Ärztinnen und Therapeuten tun, nicht an dessen Stelle. Wer in Behandlung ist, bespricht die Teilnahme vorher dort.

Das ist keine Bescheidenheitsformel. Es ist die Bedingung dafür, dass die Arbeit sauber bleibt.


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Stand: 30. August 2026